{"id":4960,"date":"2024-03-04T14:20:39","date_gmt":"2024-03-04T13:20:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nwhp.at\/?p=4960"},"modified":"2024-03-04T14:22:00","modified_gmt":"2024-03-04T13:22:00","slug":"alles-gold-was-glaenzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nwhp.at\/en\/alles-gold-was-glaenzt\/","title":{"rendered":"Alles Gold, was gl\u00e4nzt?"},"content":{"rendered":"\n<p>Grunds\u00e4tzlich kann man davon ausgehen, dass das gro\u00dfartige Edelmetall auch tats\u00e4chlich hinter dem goldenen Schimmer steckt, wenn dies durch ein Echtheitszertifikat best\u00e4tigt wird. Wir besch\u00e4ftigen uns im folgenden Beitrag mit einigen spannenden Facetten, die das begehrte Edelmetall f\u00fcr die Rechtspraxis, insbesondere Verbrauchervertr\u00e4ge und Lieferungen von Goldprodukten, mit sich bringt. Zuerst wollen wir jedoch einige Dinge anhand der aktuellen Rechtslage kl\u00e4ren:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Steuerfreiheit als Kaufanreiz<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00a7 24a Umsatzsteuergesetz trifft einige interessante Regelungen zu Gold, die wom\u00f6glich der Hauptgrund sind, warum Menschen in dieses investieren und ihre Bankschlie\u00dff\u00e4cher oder privaten Safes damit bef\u00fcllen: Anlagegold ist grunds\u00e4tzlich steuerfrei. Nach Abs 3 leg cit hat der Unternehmer jedoch bei Ums\u00e4tzen von Anlagegold, deren Bemessungsgrundlage EUR 15.000,00 \u00fcberschreitet, eine Rechnung gem. \u00a7 11 UstG zu legen und die Identit\u00e4t des Abnehmers festzuhalten. Diese Unterlagen sind 7 Jahre aufzubewahren. Um als Anlagegold zu gelten, m\u00fcssen jedoch bestimmte Voraussetzungen erf\u00fcllt sein. Neben einem Feingehalt von mindestens 995\/1000 muss ein auf dem Goldmarkt allgemein akzeptiertes Gewicht (\u00a7\u00a7 3, 7 Punzierungsgesetz 2000) vorliegen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Verschiedene Anlagemodelle<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Erfahrung hat in diesem Zusammenhang gezeigt, dass diejenigen, die in greifbares Gold investieren und ihre Sch\u00e4tze betrachten k\u00f6nnen, nur einen kleinen Teil der Menschen ausmacht, der tats\u00e4chlich in Gold investiert. So wurden Gold- oder Silbersparpl\u00e4ne verkauft, man investierte in Goldgewinnungsanlagen oder Goldminen in fernen L\u00e4ndern oder in mehr oder weniger vorhandene Goldbarren, die in Schweizer Safes sicher aufbewahrt werden sollten. Damit ging naturgem\u00e4\u00df ein hohes Aufkommen an strafrechtlich relevanten Handlungen, wie Betrug oder Veruntreuung einher (dies wird bereits 2019 durch die FMA auch offiziell best\u00e4tigt: <a href=\"https:\/\/www.fma.gv.at\/geldanlagen-in-gold-und-andere-edelmetalle\/\">https:\/\/www.fma.gv.at\/geldanlagen-in-gold-und-andere-edelmetalle\/<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>Also \u00e4ndern sich die Anlageentscheidungen teilweise wieder dahingehend, dass man in greifbares Gold investiert. Den Weg zur M\u00fcnze \u00d6sterreich AG, bei der es sich tats\u00e4chlich um die staatliche M\u00fcnzpr\u00e4gest\u00e4tte \u00d6sterreichs (\u00a7 1 Scheidem\u00fcnzengesetz 1988) handelt, oder zu anderen M\u00fcnzh\u00e4ndlern ihres Vertrauens finden trotzdem nicht alle, die in Gold investieren wollen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Der Online-Handel mit Goldm\u00fcnzen, -medaillen, -pr\u00e4gungen und polierten Platten boomt. F\u00fcr welches Produkt man sich entscheidet, macht jedoch einen gewichtigen Unterschied.&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fcnzen haben als offizielles Zahlungsmittel im Ausgabeland einen aufgepr\u00e4gten Nennwert, mit Medaillen kann man hingegen nicht bezahlen. In diesem Sinn w\u00e4re etwa ein Philharmoniker mit 1 Unze Feingold als Anlageprodukt am 27.02.2024 f\u00fcr EUR 1.936,45 bei einem \u00fcblichen H\u00e4ndler zu erwerben. Der Nennwert des Philharmonikers, also der Wert, mit dem man im Rechtsverkehr auch tats\u00e4chlich bezahlen kann, betr\u00e4gt EUR 100,&#8211;. Sucht man nach einer solchen M\u00fcnze, f\u00fchrt dies anhand des Suchverlaufs zwangsl\u00e4ufig auch dazu, dass man Angebote, wie historische Goldm\u00fcnzen aus \u00d6sterreich, offiziell lizenzierte Sammlerst\u00fccke in h\u00f6chster Qualit\u00e4t, Gedenkm\u00fcnzen oder feine Sonderpr\u00e4gungen diverser Online-H\u00e4ndler ebenfalls vorgeschlagen bekommt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Der Preis klingt verlockend, die Anlageziele m\u00fcssten damit jedoch aufgegeben werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Denn eine Wertsteigerung ist bei derartigen Produkten eher nicht zu erwarten, es sei denn, man findet einen passionierten Sammler, der einen sogenannten Liebhaberpreis daf\u00fcr bezahlt. Ob der Materialwert in etwa mit dem Preis, den man daf\u00fcr bezahlt hat, \u00fcbereinstimmt, kann jedoch nur von einem Sachverst\u00e4ndigen f\u00fcr Edelmetalle beantwortet werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Leider h\u00f6ren wir immer \u00f6fters von unerfahrenen \u2013 durchaus bereits betagten &#8211; Verbrauchern, die etwa \u00fcber Online-Werbung oder diversen Inseraten in Zeitungen von staatlich aussehenden Anbietern auf Komplettsets von m\u00fcnz\u00e4hnlichen Medaillen veredelt mit feinstem Gold, mit aufwendiger Farbapplikation auf jeder Pr\u00e4gung f\u00fcr einen Gesamtpreis von etwa EUR&nbsp;100, anstatt EUR 420, sto\u00dfen. Unser Mandant hat etwa an zwei verschiedene Anbieter einen Gesamtbetrag von EUR&nbsp;15.000,00 bezahlt. Der Materialwert ist jedoch um ein Vielfaches niedriger. Dies gibt Anlass daf\u00fcr, die Wirksamkeit der einzelnen Vertr\u00e4ge in Richtung laesio enormis, Wucher, Irrtum etc. zu pr\u00fcfen. Die Vergangenheit hat bereits gezeigt, dass besonders die Werbung und die verwendeten Vertragsformbl\u00e4tter f\u00fcr bestimmte Goldlieferungen einer h\u00f6chstgerichtlichen Judikatur nicht standhalten (der VKI hat hier bereits betreffend der Werbung bestimmter Goldanbieter einige Verfahren gef\u00fchrt, z.B. 4 Ob 199\/19x u.a.).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr derartige F\u00e4lle lohnt sich daher jedenfalls die Einholung rechtlichen Rates beim Anwalt Ihres Vertrauens. Besonders die Pr\u00fcfung der einzelnen Vertr\u00e4ge und der Entscheidungsgrundlagen f\u00fcr den jeweiligen Vertragsabschluss sind hier besonders wichtig und genau zu hinterfragen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Sicht des Anlegeranwalts kann jedenfalls gesagt werden, dass bei Anlage in traditionelle Goldprodukte, die real ausgefolgt werden, wie etwa M\u00fcnzen oder Barren die Gefahr von Betrug oder Missbrauch gering ist, bei allen anderen Produkten sind die Gefahren f\u00fcr einen Konsumenten nur sehr schwer einsch\u00e4tzbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei gewissen Produkten hat der Glanz dann doch einen etwas anderen Wert.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:italic;font-weight:300\">Autoren: Mag. Ulrich Walter ist Rechtsanwalt und besch\u00e4ftigt sich bereits seit Jahrzehnten mit Verbraucher- und Anlegerrecht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:italic;font-weight:300\">Mag. Dominique Perl ist Rechtsanwaltsanw\u00e4rterin und seit 2020 bei Neumayer &amp; Walter besch\u00e4ftigt. Sie besch\u00e4ftigt sich besonders gerne mit Verbraucherrecht in allen Facetten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grunds\u00e4tzlich kann man davon ausgehen, dass das gro\u00dfartige Edelmetall auch tats\u00e4chlich hinter dem goldenen Schimmer steckt, wenn dies durch ein Echtheitszertifikat best\u00e4tigt wird. Wir besch\u00e4ftigen uns im folgenden Beitrag mit einigen spannenden Facetten, die das begehrte Edelmetall f\u00fcr die Rechtspraxis, insbesondere Verbrauchervertr\u00e4ge und Lieferungen von Goldprodukten, mit sich bringt. Zuerst wollen wir jedoch einige Dinge [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4964,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[90,119],"tags":[],"acf":[],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nwhp.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4960"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nwhp.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nwhp.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nwhp.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nwhp.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4960"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nwhp.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4960\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4966,"href":"https:\/\/www.nwhp.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4960\/revisions\/4966"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nwhp.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4964"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nwhp.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4960"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nwhp.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4960"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nwhp.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4960"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}