{"id":2175,"date":"2021-01-18T12:02:52","date_gmt":"2021-01-18T11:02:52","guid":{"rendered":"https:\/\/newme.at\/NWHP2022\/?p=2175"},"modified":"2021-01-18T12:02:54","modified_gmt":"2021-01-18T11:02:54","slug":"schliessfaecher-coup-taeter-kam-drei-mal-in-die-bank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nwhp.at\/en\/schliessfaecher-coup-taeter-kam-drei-mal-in-die-bank\/","title":{"rendered":"Schlie\u00dff\u00e4cher-Coup: T\u00e4ter kam drei Mal in die Bank"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default\"><p>Beim Millionencoup mit Schlie\u00dff\u00e4chern war ein Krimineller sehr dreist: Trotz Alarmausl\u00f6sung betrat er noch zwei Mal den Saferaum. Die Geldinstitute wollen jetzt ihre Kunden freiwillig entsch\u00e4digen.<\/p><p>Wie sich jetzt herausstellt, w\u00e4re die Profibande, die in drei Bankfilialen 65 Schlie\u00dff\u00e4cher knackte und Wertsachen in zweistelliger Millionenh\u00f6he erbeutete, beinahe auf frischer Tat ertappt worden. Das geht aus einem den SN vorliegenden Amtsvermerk hervor, datiert mit 27. November 2020, in dem ein Polizeibeamter eine \u201enachtr\u00e4gliche Ersteinschreitermeldung zur Alarmausl\u00f6sung vom 13. 11. 2020\u201c bekannt gibt. <\/p><p>R\u00fcckblende: Am 13. November 2020 schlug eine aus mindestens sieben T\u00e4tern (sechs M\u00e4nner und eine Frau aufgeteilt in drei Teams) bestehende Einbrecherbande zeitgleich in drei Geldinstituten in M\u00f6dling, Klosterneuburg und in Wien-D\u00f6bling zu. Die Kriminellen waren laut Polizei von 18 Uhr bis 23.14 Uhr in den Safer\u00e4umen und r\u00e4umten in dieser Zeit seelenruhig Schmuck, Juwelen, Goldbarren und Bargeld aus den Bankdepots in mitgebrachte Taschen und Rucks\u00e4cke. Streng unterVerschluss hielt die Polizei bislang, dass in einer Filiale offensichtlich nicht alles nach Wunsch gelaufen ist \u2013 n\u00e4mlich in der Raiffeisen-Filiale in der Muthgasse in Wien-D\u00f6bling. Dort beorderte die Landesleitzentrale kurz vor19.30 Uhr eine Polizeistreife zum Tatort. <\/p><p>Der Grund des Einsatzes: In der Zentrale war ein sogenannter TUS-Alarm eingegangen.Die angeforderten Beamten nahmen bei ihrem Eintreffen einen dunkel gekleideten Mann wahr, der gerade die Bank verlie\u00df. Er wurde kontrolliert, erwies sich aber alsbald als unverd\u00e4chtig. Die Besatzung eines zweiten Streifenwagens durchsuchte in der Zwischenzeit die Bankfiliale \u2013 und konnte nichts Auff\u00e4lliges entdecken. <\/p><p>Auch ein verst\u00e4ndigter Alarmfahrer einer Sicherheitsfirma, der um 19.40 Uhr eintraf, gab Entwarnung. Kurios ist, dass um 19.57 Uhr die Polizeistreife erneut zum Tatort geschickt wurde, weil ein zweiter Alarm aus der Bank bei der Funkstelle eingelangt war. Der noch vor Ort anwesende Mitarbeiter des privaten Sicherheitsunternehmens schickte sie mit folgenden Worten weg: \u201eEs handelt sich erneut um einen Fehler, da bei unserer Sicherheitszentrale der Alarm bereits still geschaltet und alles in Ordnung ist. Ihre Kollegen waren vorher eh schon da und haben mit mir alles durchsucht, da war alles okay. Ich glaube, jemand hat den Notschalter statt des T\u00fcr\u00f6ffners bet\u00e4tigt.\u201c <\/p><p>Hatten sich die T\u00e4ter zu dieser Zeit unbemerkt im \u00f6ffentlich nicht zug\u00e4nglichen Saferaum verschanzt? Nein, sagt die Ermittlungsgruppe bestehend aus Beamten der Landeskriminal\u00e4mter Nieder\u00f6sterreich und Wien. Die nachtr\u00e4gliche Auswertung der Video\u00fcberwachung im Geldinstitut habe gezeigt, dass ein maskierter und bepackter Mann unmittelbar vor Eintreffen der ersten Polizeistreife das Weite gesucht habe. \u201eEr hat offensichtlich mitgekriegt, dass er Alarm ausgel\u00f6st hat. Die Kollegen haben nach der Alarmierung drei Minuten zum Tatort ben\u00f6tigt\u201c, sagt Heinz Holub, Sprecher der Landespolizeidirektion Nieder\u00f6sterreich. <\/p><p>Keine Erkl\u00e4rung hat er daf\u00fcr, wie ein Verd\u00e4chtiger einen stillen Alarm \u00fcberhaupt bemerken kann. Warum die Polizei die wichtige Information, dass die Schlie\u00dff\u00e4cherbande durch einen Alarm aufgeschreckt wurde, wochenlang der \u00d6ffentlichkeit vorenthalten hat? \u201eIch wei\u00df es nicht. Vielleicht haben die Kollegen aus ermittlungstaktischen Gr\u00fcnden diese Information bislang geheim gehalten\u201c, erkl\u00e4rt Holub. <\/p><p>Jetzt ist auch klar, warum die Profieinbrecher in Wien verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenig Beute machten: Denn w\u00e4hrend die Bandenmitglieder in der Raiffeisenbank M\u00f6dling 31 Schlie\u00dff\u00e4cher ausr\u00e4umten und in der Bank-Austria-Filiale in Klosterneuburg 29, mussten sie in der Raika Wien-D\u00f6bling ihren Coup nach f\u00fcnf Schlie\u00dff\u00e4chern abbrechen. Im Schnitt ben\u00f6tigten die T\u00e4ter f\u00fcr jeden einzelnen Kundensafe zwischen zehn und 15 Minuten: Nachdem sich die Kriminellen mittels gef\u00e4lschter Bankkarten Zutritt zu den Safer\u00e4umen verschafft hatten, mussten sie am Terminal die PINCodes eingeben, die sie zuvor mittels einer am Plafond angebrachten Kamera ausspioniert hatten. Es erfolgte die Anlieferung jedes einzelnen versperrten Schlie\u00dffachs vom Haupttresor der Geldinstitute im Kellerin den Saferaum. Danach brachen die Kriminellen die Metallk\u00e4stchen auf bzw. \u00f6ffneten diese mit nachgemachten Schl\u00fcsseln. <\/p><p>Ein Geheimnis bleibt, warum bei den anderen beiden Banken kein Alarm ausgel\u00f6st wurde. Denn die gesch\u00e4digten Geldinstitute machten in Aush\u00e4ngen ihre Kunden ausdr\u00fccklich darauf aufmerksam, dass ab einem Aufenthalt von 20 Minuten und l\u00e4nger im Saferaum.<\/p><cite>Salzburger Nachrichten, Fritz Pessl, 11.01.2021<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Weitere Informationen:<\/p>\n\n\n\n<ul id=\"block-fa71af8f-2361-4978-b3e2-9403bd2b53ad\"><li><a href=\"https:\/\/newme.at\/NWHP2022\/bankschliessfach-einbrueche-haftungsbegrenzungen-der-banken-vermutlich-sittenwidrig\/\">Bankschlie\u00dffach Einbr\u00fcche: Haftungsbegrenzungen der Banken vermutlich sittenwidrig<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/newme.at\/NWHP2022\/schliessfach-couppolizeistreife-schreckte-die-taeter-auf\/\" title=\"Schlie\u00dffach-Coup:Polizeistreife schreckte die T\u00e4ter auf\">Schlie\u00dffach-Coup:Polizeistreife schreckte die T\u00e4ter auf<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/newme.at\/NWHP2022\/bankschliessfaecher-sind-kein-fort-knox\/\" title=\"Bankschliessf\u00e4cher sind kein Fort Knox\">Bankschliessf\u00e4cher sind kein Fort Knox<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/newme.at\/NWHP2022\/schliessfach-coup-veraltete-sicherheitsstandards\/\">Schlie\u00dffach-Coup: Veraltete Sicherheitsstandards<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/newme.at\/NWHP2022\/schliessfach-coup-wird-fall-fuer-datenschuetzer\/\">Schlie\u00dffach-Coup wird Fall f\u00fcr Datensch\u00fctzer<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/finanzen\/banksafes-weniger-sicher-als-angenommen-ld.1593511\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">NZZ.ch: Bankschliessf\u00e4cher sind kein Fort Knox \u2013 das zeigen Diebst\u00e4hle in Wien und Basel<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<div class=\"wp-container-1 wp-block-buttons\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link\" href=\"m&#97;&#x69;&#x6c;t&#111;&#58;&#x72;&#x65;c&#104;&#116;&#x73;&#x61;n&#119;&#x61;&#x6c;&#x74;&#64;&#110;&#x65;&#x75;m&#97;&#121;&#x65;&#x72;-&#119;&#97;&#x6c;&#x74;e&#114;&#x2e;&#x61;&#x74;\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kontakt<\/a><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Millionencoup mit Schlie\u00dff\u00e4chern war ein Krimineller sehr dreist: Trotz Alarmausl\u00f6sung betrat er noch zwei Mal den Saferaum. 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